Erbrechtsirrtum Nr. 9: Wer unter Betreuung steht, kann sein Testament nicht mehr ändern

Allein die Tatsache, dass eine Person unter Betreuung steht, hindert sie grundsätzlich nicht daran, ein wirksames Testament zu errichten.

Sie braucht dafür auch nicht die Einwilligung ihres Betreuers.

Nur wenn dem Betreuten die notwendige Einsichtsfähigkeit fehlt und er die Tragweite seiner Entscheidung nicht mehr einschätzen kann, darf er kein neues Testament mehr erstellen. Das Problem ist in diesem Zusammenhang jedoch häufig, dass sich erst nach dem Tode des Erblassers herausstellt, dass dieser noch sehr – kurz vor seinem Ableben ein neues Testament aufgesetzt hat, und statt seine Kinder und Enkel zu bedenken, das gesamte Vermögen seinem Betreuer, dem Tierheim oder einem sonstigen Dritten übertragen hat. In diesem Fall lässt sich meist nicht mehr nachweisen, ob der Erblasser zu diesem Zeitpunkt noch die nötige Einsichtsfähigkeit besaß.

Um böse Überraschungen zu vermeiden und um den Betreuten vor dem Einfluss möglicher „Erbschleicher“ zu schützen, gibt es nur eine Möglichkeit. Wer Zweifel an der Testierfähigkeit eines Angehörigen hat, sollte sich darum bemühen, bereits zu dessen Lebzeiten das Gutachten eines Facharztes einzuholen. Nur damit lässt sich im Ernstfall ein kurz vor dem Tod errichtetes, möglicherweise sehr überraschendes Testament für hinfällig erklären. Die Erstellung eines solchen Gutachtens ist allerdings nur mit Zustimmung des Betreuten möglich.