Erbrechtsirrtum Nr. 10: Erben müssen die Vorgaben des Testamentes genau einhalten

Nicht unbedingt. Sofern sich die Erben einig sind, können sie sich auch einvernehmlich über die Anordnungen des Erblassers hinwegsetzen.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar kommt bei einem Autounfall ums Leben. Den beiden volljährigen Söhnen hinterlassen Vater und Mutter ein Einfamilienhaus in bester Lage. Das Testament enthält die folgende Passage: „Unser Immobilienvermögen darf nach unserem Tod für die Dauer von fünf Jahren nicht auseinandergesetzt werden.“

Dies bedeutet, dass die beiden Söhne das Haus zwar verkaufen dürfen, jedoch für mindestens fünf Jahre nicht über den Verkaufserlös verfügen könnten.

Solche Verbote können sich allerdings als extrem ungünstig erweisen, wenn einer der Erben dringend Geld benötigt, etwa um die anfallende Erbschaftssteuer zu begleichen. Diese fällt in der Regel binnen eines Jahres an und kann, gerade wenn es um Immobilien geht, schnell fünfstellige Summen erreichen.

Wenn sich die beiden Söhne nun darauf verständigen, entgegen des erklärten letzten Willens ihrer Eltern das Haus postwendend zu verkaufen, ist deren testamentarische Anordnung faktisch hinfällig.

In der Praxis lassen sich diese Probleme am besten durch die Anordnung einer Testamentsvollstreckung durch einen – externen Testamentsvollstrecker vermeiden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Erblasser es testamentarisch sanktioniert, wenn seine im Testament dargelegten Wünsche und Anordnungen von den Erben missachtet werden. Im Extremfall kann er einen Verstoß gegen die testamentarischen Bestimmungen sogar mit dem Verlust des gesamten Erbrechts ahnden; auch hier ist anwaltliche oder notarielle Beratung bei der Formulierung derartiger testamentarischer Anordnungen dringend zu empfehlen.